Das Glaubensbekenntnis
Alles, was die Kirche glaubt, steht in wenigen Zeilen, die auf den Konzilien von 325 und 381 beschlossen wurden. Sie werden in jeder Liturgie gesprochen und vor der Taufe auswendig gelernt. Die Orthodoxie spricht das Bekenntnis in seiner ursprünglichen Gestalt — ohne den späteren westlichen Zusatz, der Geist gehe „und aus dem Sohn“ hervor.
Der vollständige Text in fünf Sprachen steht im Bereich Gebete.
Der Gott, den niemand sah, und der Christus, den man sah
Christen glauben an einen Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist: nicht an drei Gottheiten und nicht an drei Masken des einen, sondern an eine Dreifaltigkeit, eines Wesens. Das ist keine Formel zum Auswendiglernen, sondern die Aussage, dass Gott nicht einsam ist und dass die Liebe in ihm das Erste ist.
Der Sohn Gottes wurde Mensch — geboren, er aß, ermüdete, wurde als Verbrecher hingerichtet und stand auf. Darum hält die Orthodoxie so fest am Leiblichen: am Wasser der Taufe, an Brot und Wein, am Öl, an der Berührung, an der Verneigung. Glaube ist hier keine Übung des Verstandes, sondern etwas, das man mit dem ganzen Leib tut.
Kirche und Sakramente
Kirche ist weder Gebäude noch Verwaltung, sondern die Versammlung um einen Kelch. Das Wichtigste darin ist die Göttliche Liturgie, in der Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden. Alles andere — Zeitplan, Sprache, Jurisdiktion — ordnet das, ersetzt es aber nicht.
- Taufe
- Eintritt in die Kirche. Erwachsene werden nach Unterweisung getauft, Kinder auf den Glauben von Eltern und Paten hin.
- Myronsalbung
- Die Gabe des Heiligen Geistes, unmittelbar nach der Taufe.
- Eucharistie
- Die Teilhabe an Leib und Blut — worum es in der Liturgie geht.
- Buße
- Die Beichte. Kein Bericht über Verfehlungen, sondern eine Rückkehr; der Priester ist Zeuge, nicht Richter.
- Ehe
- Die Krönung: ein gemeinsamer Weg zu Gott, keine Zeremonie für Fotografien.
- Weihe
- Aussonderung zum Dienst: Diakon, Priester, Bischof.
- Krankensalbung
- Gebet um Heilung an Seele und Leib.
Die Ikone
Eine Ikone ist kein Porträt und kein Schmuck. Sie bezeugt, dass Gott sichtbar wurde und daher dargestellt werden kann. Wer vor einer Ikone betet, wendet sich nicht an Holz und Farbe, sondern an den Dargestellten. Das Siebte Ökumenische Konzil von 787 sagte es genau so: die Ehre, die dem Bild erwiesen wird, geht auf das Urbild über.
Fasten, Gebet, Almosen
Drei Dinge, die zusammengehören und einzeln nicht funktionieren. Fasten ist keine Diät: es ist eine freiwillige Einschränkung, die Zeit und Aufmerksamkeit freimacht. Gebet ist keine Forderung an Gott, sondern Gegenwart vor ihm. Das Almosen bewahrt die beiden ersten davor, zur Übung an sich selbst zu werden.
Das Maß des Fastens ist für Reisende, Kranke, Schwangere, Kinder und körperlich Arbeitende verschieden. Es wird mit dem eigenen Priester besprochen, nicht im Internet.
Wenn Sie zum ersten Mal kommen
- Kommen können Sie jederzeit und ohne Vorbereitung. Stehen Sie, wo es bequem ist; sich zu setzen, wenn das Stehen schwerfällt, ist keine Sünde.
- Zur Kommunion geht man nach Beichte und Fasten — die Ordnung bespricht man vorher mit dem Priester, nicht in der letzten Minute vor dem Kelch.
- Kerzen werden für Lebende und Verstorbene angezündet; das ist weder Bezahlung noch Pflicht.
- Wenn Sie nicht orthodox sind, hindert Sie das nicht am Mitfeiern. Die Kommunion setzt in der orthodoxen Überlieferung die Zugehörigkeit zur Kirche voraus; darüber spricht man in Ruhe mit dem Priester.
- Kinder dürfen in der Kirche Kinder sein. Eine Gemeinde, die das nicht aushält, hat ein größeres Problem als Lärm.